„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“… aber gerade diese kleinen Werbegeschenke, die in 1000er Auflagen von Werbetreibenden an ihre Kunden verschenkt werden, sind in punkto Nachhaltigkeit ein Riesen-Thema.

Da ich selber seit über 20 Jahren im internationalen Marketing tätig bin, gleichzeitig aber auch Verbraucherin, kenne ich beide Seiten. Vermutlich reicht ein Artikel nicht, alle Aspekte zu beleuchten, aber fangen wir einfach mal an….

Trinkflaschen und Brotdosen – Muss so viel Plastik sein?

Wer hat sie noch nicht bekommen – nützliche Produkte aus Plastik mit Werbeaufdruck. Die Trinkflasche vom Fitness-Studio oder die Brotdose vom Versicherer oder Supermarkt. Wenn euch diese angeboten werden, könnt ihr dankend ablehnen?

Ich finde: Es ist gar nicht so einfach!

Die eine oder andere Gratis-Brotdose habe daher auch ich in meinem Haushalt in Gebrauch. Allerdings bekam ich auch schon Werbeartikel, die nach ein- oder zweimaliger Nutzung zu Bruch gingen und direkt im Müll landeten. Im meinem Keller liegen zudem noch Exemplare der klassischen Sport-Trinkflaschen. Letztere schienen mir zu schade zum Wegwerfen, aber trinken möchte daraus keiner…

Heute lehne ich solche Werbegeschenke meist rigoros ab. Diese Konsequenz war jedoch ein Lernprozess. Gerade als junge Mutter habe ich die Brotdose gerne angenommen – ‚wie praktisch‘, ‚klar, kann ich gebrauchen‘.

Wenn ich ein Werbegeschenk heute ablehne, hat das meist folgende Gründe:
  • Weichmacher
    Obwohl Trinkflaschen, Brotdosen und ähnliche Produkte heute ohne BPA hergestellt werden, können immer noch reichlich ungesunde Substanzen im Material vorhanden sein. Von den Flaschen lassen wir grundsätzlich die Finger. In die Brotdosen, die noch vorhanden sind, fülle ich nur trockene Waren und natürlich keine heißen Speisen. Junge Familien sind sich mehr und mehr der Risiken durch Plastik bewusst und achten auf Qualität statt Quantität.
  • Sättigung
    Die meisten etablierten Haushalte haben die Schränke voll. Ganz ehrlich: Man braucht die x-te Dose einfach nicht mehr. Wenn jetzt etwas kaputt geht, was wirklich ersetzt werden muss, dann ersetze ich dieses Teil durch eine langlebige und nachhaltige Alternative. Ohnehin geht der Trend dazu, Ballast abzuwerfen: Minimalismus ist das Zauberwort. Wer weniger hat, hat auch weniger aufzuräumen und verschwendet weniger Zeit mit Suchen und Putzen.
  • Herstellung
    Das Gros der Werbemittel wird in Billiglohnländern hergestellt und um den Globus transportiert. Material, Arbeitsbedingungen, Produktionsanlagen – Umweltaspekte dürften hier kaum eine Rolle spielen.
  • Müllvermeidung
    Ein Geschenk, das schnell kaputt geht, macht Müll und hinterlässt auch einen faden Beigeschmack. Aber dazu komme ich gleich nochmal.

Für die lieben Kleinen

Ab Juli 2021 sind zumindest die Luftballon-Halter aus Plastik verboten, aber dennoch gibt es genug Krimskrams, der den Kindern zugesteckt wird. Nach 15 Jahren des Mutterseins kann ich euch sagen: Alles landet irgendwann im Müll. Dazu kommen die Luftballons, die sich in Bäumen verfangen und auf Wiesen landen oder das Mini-Tütchen der Gummibären, das sich unterwegs verselbständigt.

Auch der noch so liebevoll gestaltete Button landet nach gewisser Zeit in der Spielkiste und die Mama entsorgt diesen – mit seinen über die Kita- und Grundschulzeit gesammelten durchschnittlichen 10 Freunden – irgendwann in den Restmüll.

Streuartikel

Als Streuartikel bezeichnet man die kleinsten Werbegeschenke, die in sehr großen Auflagen geordert und verteilt werden. Meist sind dies sehr kostengünstige Produkte, z.B. einfache Kugelschreiber, abgepackte Pfefferminzbonbons oder Gummibärchen.

Sofern diese Produkte nicht selbst aus billigem Plastik sind, dann doch deren Verpackung – oder gar beides.

Erwartungshaltung

„Es gehört dazu“ – Egal, ob man mit den Kindern ein Straßenfest besucht, oder beruflich auf einer Messe ist: Werbemittel gibt’s reichlich. Die meisten Werbetreibenden fühlen sich in der Pflicht, etwas anzubieten und manchmal fragen Kunden auch konkret nach. Letzteres ist mir in der Tat schon oft an den Messeständen passiert, die ich betreut habe – im In- und Ausland.

In meinem Fall sind dies meist große Konferenzen mit angegliederter Ausstellung. Die Zielgruppe ist ein sehr technisches Publikum, doch wer glaubt, man müsse hier Werbegeschenke für technisch affine Leute anbieten (das Multitool als Schlüsselanhänger hat JEDER schon einmal irgendwo erhalten…), irrt sich. Die meisten der Besucher sind für 2-5 Tage zur Veranstaltung gereist und suchen gezielt nach einem gratis Mitbringsel für ihre Kinder…

Markenbildung durch Werbemittel

Aber Hand auf’s Herz: Man verkauft nicht ein Produkt mehr, weil man kostenlose Giveaways anbietet. Was man allerdings positiv beeinflussen kann, ist das Markenimage. Daher möchte ich auch nochmal auf die eingangs erwähnten, billigen Brotdosen zurückkommen, die nach der ersten oder zweiten Nutzung gerne kaputt gehen (meist sind’s die Scharniere). Ein negatives Erlebnis färbt auf die Marke ab – ‚So einen Schrott‘ verteilt zu haben, möchte man sich als Werbetreibender nicht unbedingt auf die Fahne schreiben.

Werbemittel sollen originell, witzig, und/oder nützlich sein. Was heute aber noch viel wichtiger ist: ein Werbemittel soll auch nachhaltig sein. Nachhaltigkeit kann in diesem Zusammenhang vieles heißen – angefangen beim Material, der Produktion und der reduzierten Verpackung. Nachhaltig heißt aber auch, dass das Werbemittel längerfristig nutzbar ist und nicht gleich im Müll landet.

Ein Werbetreibender, der diese Punkte geschickt adressiert, kann damit auch einen positiven Effekt für seine Marke erzielen.

Ich bin gespannt auf Eure Kommentare – was war das beste oder das schlechteste Werbemittel, dass ihr bekommen habt?

Damit dieser Artikel nicht zu lang wird, ende ich hier und schreibe bald eine Fortsetzung mit einigen praktischen Beispielen!

Titelbild: Bruno /Germany auf Pixabay