Als Levi Strauss 1873 seine „Jeans“ patentieren ließ, war der oberste Anspruch Haltbarkeit. Die Arbeit während des Goldrauschs war hart und die Hosen mussten einiges aushalten. Heute dagegen kaufen wir unsere Jeans in bereits „zerstörtem“ Zustand und sortieren sie – je nach Mode – oft allzu schnell aus.

Das ist wenig nachhaltig. Vor allem, wenn man bedenkt, wieviel Chemie für die Erstellung mancher Looks eingesetzt wird oder unter welchen Arbeitsbedingungen die Kleidungsstücke genäht werden.

Nur vorweg: Ich bin keine Textilfachfrau und die Modebranche ist komplex. Somit kann ich keine Patentrezepte für einen nachhaltigen Kleiderschrank liefern. Aber: Wir können unsere Kaufentscheidungen gewissenhafter treffen und versuchen, unsere Jeans so lange wie möglich zu nutzen.

Nachhaltige Labels

Fangen wir mit dem einfachsten an: Die Zahl nachhaltiger Labels am Markt nimmt zu und die Auswahl steigt. Allerdings gibt es auch bei diesen Herstellern Einschränkungen, so dass man sich fragen muss, ob eine Jeans überhaupt nachhaltig sein kann. Dieser Artikel in Haarper’s Bazaar von 2019 bezieht sich auf eine Öko-Test Studie, bei der selbst bekannte Bio-Labels nicht wirklich gut abgeschnitten haben, da nicht unbedingt die komplette Herstellungskette nachhaltig ist.

Was sind die Kriterien?

  • Verwendung von Bio-Baumwolle als Rohstoff
  • Verzicht auf Chemikalien und reduzierter Wasserverbrauch, z.B. beim Färben oder der Erstellung des „Used Looks“
  • Faire und sichere Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern, Verzicht auf Kinderarbeit

Ich persönlich habe mit einigen nachhaltigen Labels gute Erfahrungen gemacht: Material und Passform haben mich überzeugt, so dass ich diese Hosen lange tragen kann. Leider gibt es sie bislang nur bedingt im Einzelhandel zu kaufen, so dass man gelegentlich auf Online-Shops zurückgreifen muss.

Letzteres hat wiederum den Vorteil, dass man gut Preise vergleichen kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine reduzierte Öko-Jeans für deutlich unter 100,- EUR zu erwerben ist, was in vielen Fällen sogar günstiger ist als konventionelle Marken.

Wenn die Qualität stimmt und eine Hose länger getragen wird, dann relativiert sich der Preis schnell. Statt einer ausgefallenen Waschung oder Form möchte man vielleicht auf ein zeitloses Modell zurückgreifen, was sich gut kombinieren lässt – dann gerät man auch modisch nicht ins Hintertreffen.

Übrigens: Der Preis einer konventionellen Jeans sagt nichts über die Produktionsbedingungen aus. Eine 200,- EUR Jeans vom hippen Designer-Label kommt oftmals aus den gleichen Fabriken, in denen die 20,- EUR Jeans vom Discounter genäht werden.

Trotzdem: Der Preis spielt für den Verbraucher eine Rolle

Hand auf’s Herz – Wir alle sind für modische Schnäppchen empfänglich und nicht jeder möchte und kann viel Geld für Kleidung ausgeben. Besonders für Kinderkleidung ist die große schwedische Kette ein beliebtes Einkaufsziel – und deren Jeans „sitzen“ wirklich gut.

Als Mutter kann ich sagen: Der Verschleiß an Jeans ist enorm. Vor allem – aber nicht ausschließlich – bei Jungen unter 10 Jahren…

  • Tragen, solange es geht
    Durchgescheuerte Knie sind wohl das häufigste Problem. Wenn die Löcher nicht zu groß sind, kann die Jeans natürlich einfach weitergetragen werden – auf dem Spielplatz ist die Optik zweitrangig.
  • Reparieren
    Wer nähen kann, setzt einfach einen Flicken auf die Stelle. Da ich keine Nähmaschine besitze, würde ich die Jeans zur Schneiderin geben. Dies wiederum lohnt sich nur, wenn die Jeans noch gut passt und vom Kind gerne getragen wird. Auch kann man dann die Hosenbeine abschneiden und umnähen (lassen), und im Sommer als Shorts tragen.
  • Second-Hand-Shops
    Grundsätzlich schaue ich bei Bedarf an neuen Jeans erst einmal in den einschlägigen Plattformen und auf Kindertrödelmärkten nach. Das funktioniert bis zu einem gewissen Alter der Kinder einwandfrei. Oft konnte ich schon Neuware (z.B. Fehlkäufe) zu einem Bruchteil des Ladenpreises ergattern. Man spart nicht nur enorm viel Geld, sondern hat das gute Gefühl, Ressourcen zu schonen.
    Jeans, die meinen Kindern zu klein geworden, aber noch in gutem Zustand sind, biete ich selbst auch in Second-Hand-Shops an.
  • Verschenken
    Manche Jeans verschenke ich im Bekanntenkreis, wenn es gerade mit den Größen richtig auskommt. Mittlerweile kenne ich zudem einige näh-affine Mütter, die mir eben auch leicht beschädigte Jeans abnehmen und für die eigenen Kinder reparieren. So werden sie vor dem Kleidercontainer bewahrt. Spenden für gute Zwecke – Kleiderkammer, Frauenhaus, Sozialkaufhaus – ist ebenfalls eine gute Option.

Und wir Erwachsenen?

Ich bin ein großer Vintage-Fan und kaufe sehr gerne auch Second-Hand-Ware. Bei Jeans muß ich allerdings gestehen, dass dies seltener vorkommt. Das liegt einfach daran, dass jeder eine andere Figur hat und der Hosenkauf immer etwas aufwändiger ist, als bei anderen Kleidungsstücken. Die perfekte Jeans dann auch noch Second-Hand zu finden, ist fast wie ein 6er im Lotto.

So individuell wie die Figur, sind auch die typischen Verschleißerscheinungen. Im Schritt, an den Nähten oder an den Knien. Das hängt klar von der Figur und den Bewegungsabläufen z.B. im Alltag und Beruf ab. Manche Hose läßt sich auch mit kleinen Löchern noch prima tragen, andere „alte Schätzchen“ trage ich beim Reiten (wir Westernreiter reiten in Jeans) oder bei der Gartenarbeit auf.

Ich persönlich kaufe lieber Jeans ohne Stretchanteil. Stretchjeans kriegen nach einiger Zeit diese „Dellen“ vom ausgeleierten Gummi. Aber viel wichtiger: Wenn Synthetik im Material ist, läßt sich dieses später nicht gut re- oder upcyclen.

Recycling und Upcycling

Auch wenn wir uns bemühen, eine Jeans so lange wie möglich zu tragen, kommt irgendwann der Tag, an dem dies nicht mehr möglich ist. Oder wir haben so viele „alte Jeans“ angesammelt, dass wir sie gar nicht bei der Arbeit „auftragen“ können.

Gleichzeitig leben wir in einer Überflußgesellschaft, in der viele wohltätige Organisationen so viele Kleiderspenden erhalten, dass sie diese gar nicht mehr lagern können und keine Abnehmer mehr finden.

Selbst die Altkleidercontainer, die immer die allerletzte Wahl sein sollten, quellen über.

Gut ist die Entwicklung, dass immer mehr Jeanshersteller Hosen zurücknehmen und recyclen. Hier lohnt es sich, auf die Herstellerwebsite zu schauen oder nach Spezialanbietern im Internet Ausschau zu halten.

Bei einigen Angeboten bin ich jedoch skeptisch. „Bring eine alte Jeans und erhalte 10% Rabatt“ – ist das vielleicht nur eine verdeckte Rabattaktion unter dem Mäntelchen der Nachhaltigkeit (Greenwashing) und die Ware landet dann trotzdem in der Reißerei?

Upcycling ist hier die bessere Alternative. Hier kommt wieder die eingangs erwähnte Haltbarkeit des Materials ins Spiel. Jeans sind für starke Belastungen konzipiert und eignen sich daher prima für hochwertige Upcycling-Ideen.

Im Rahmen der Boomerang Bags Meerbusch konnten z.B. schon viele Hosen in Einkaufstaschen umgewandelt werden. Momentan sind die ehrenamtlichen Näherinnen in Meerbusch gut versorgt und daher habe ich mich gefreut, als mich eine Freundin auf das Düsselorfer Label Löwenherz aufmerksam machte.

Upcycling Unikate aus Düsseldorf. Jede Tasche von Löwenherz vermeidet Müll und lässt alte Jeans weiterleben
Düsseldorfer Originale: Shopper „Schellemännekes“ von Löwenherz

Die zwei Schwestern Sabine und Stefanie geben alten Jeans ein neues Leben als Taschen oder Kissen und haben einen eigenen Online-Shop, der stetig durch neue Produktideen ergänzt wird.

Das Löwenherz-Team ist auf Materialspenden angewiesen und es ist dabei egal, ob eure Jeans zerrissen sind oder Löcher haben. Hier erfahrt ihr, wie ihr eure Jeans spenden könnt.

Ich habe schon eine Tasche mit alten Jeans aus meiner Familie gepackt und freue mich darauf, sie bald übergeben zu können!

Titelbild: Engin Akyurt auf Pixabay